Herr Dr. Herwig Groß, Leiter der Erinnerungsstätte und der Dauerausstellung „Vom Wert des Menschen“ in der Vitos Klinik, führte die interessierte Gruppe des Stadtverbandes der Jungen Union Gießen über das Gelände der Vitos Klinik. „262 Patientinnen und Patienten der Vitos Klinik wurden im Jahr 1941 nach Hadamar gebracht und dort in der Gaskammer ermordet“, so Dr. Groß. Nicht nur an dieser Stelle der Führung lief den JU’lern ein Schauer über den Rücken.

Ein originales SS-Offiziers-Haus, ein Einblick in die alte Leichenhalle mit Seziertisch und den nachdenklich stimmenden Erzählungen von Herrn Dr. Groß zur Hirnforschungsarbeit in der Vitos Klinik während der NS-Zeit und dem anschließenden Besuch der Ausstellung „Vom Wert des Menschen“ ließ die JU’ler eintauchen in einen dunklen Teil Gießener Geschichte.

Die Dauerausstellung „Vom Wert des Menschen“ ist in 15 Stationen untergliedert und bietet vor allem auch Schulklassen einen didaktisierten Lernort. Die Stationen 1 bis 3 setzen sich mit der Gründung der Heil- und Pflegeanstalt, der Zeit der Weimarer Republik und dem damaligen Reservelazarett für sogenannte „Kriegszitterer“ auseinander. Die Stationen 4 bis 13 geben ein tieferen Einblick in die Geschehnisse in der Heil- und Pflegeanstalt während der Zeit des Nationalsozialismus. Unter anderem wird berichtet von Zwangssterilisationen vieler Gießener Patienten aufgrund des „Gesetzes zur Verhütung erbranker Nachkommen“ vom 1.1.1934. Außerdem war die Heil- und Pflegeanstalt während der NS-Zeit eine Sammelanstalt für jüdische Patienten. So wurden mit der Vernichtungsaktion „T 4“ nachweislich 262 Gießener Patienten nach Hadamar, eine Tötungsanstalt der Nationalsozialisten, gebracht und dort ermordet. An den Stationen 14 und 15 erhält der Besucher einen Überblick zu den unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten, die zur Anwendung kamen aber auch zur Nachkriegszeit und der beginnenden Psychiatriereform ab den 1970er Jahren. Die Ausstellung bietet eine fachlich adäquat aufbereitete Möglichkeit der Aufarbeitung dunkelster Kapitel der Psychiatriegeschichte Gießens. „Besonders wir jungen Menschen müssen ein Bewusstsein für die dunkle Vergangenheit der Zeit des Nationalsozialismus schaffen, damit die Gräueltaten nicht in Vergessenheit geraten! Wie es dazu kam, dass die Würde des Menschen plötzlich nichts mehr wert war, zeigt uns, dass sowohl in Gesellschaft als auch in Politik immer wieder ein Hinterfragen stattfinden muss.“, so JU-Stadtverbandsvorsitzende Felicitas Beuschel. Beeindruckt und nachdenklich gestimmt bedankten sich die JU’ler ganz herzlich für den bewegenden Nachmittag bei Herrn Dr. Groß.

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